Fit fürs Pfarramt

Foto: Sabine Saucke Frau Eddelbüttel, bald geht die Zeit in der Gemeinde zu Ende? Was waren wichtige Erfahrungen? Ich bin selbst ganz erstaunt, dass meine Zeit als Vikarin nun schon dem Ende zugeht. Die eineinhalb Jahre in der Gemeinde waren für mich eine randvolle Zeit mit sehr vielen neuen Erfahrungen. Der erste Gottesdienst, die erste Kirchenvorstandssitzung, die erste Adventszeit als Vikarin. Lauter Premieren. Was hat ihnen „Spaß“ gemacht?“ Wenn ich auf die letzten zwei Jahre zurücksehe, dann kann ich sagen, dass Pastorin für mich schon ein Traumberuf ist, gerade weil dieser Beruf so vielfältig ist: Die Gottesdienste in der schönen Maria-Magdalenen-Kirche, die Gespräche in den verschiedenen Gemeindegruppen, Konfirmandenunterricht, Mitarbeit in den Ausschüssen, Seelsorge und so vieles mehr. Wenn Sie von außen auf unsere Kirchengemeinde schauen, was sehen Sie? Von außen zu schauen ist gar nicht mehr so leicht, weil ich mich inzwischen doch sehr mit ‚meiner’ Ausbildungsgemeinde verbunden fühle. Ich erinnere mich aber, dass ich am Anfang meiner Vikariatszeit darüber gejammert habe, dass mir die Gemeinde wie ein großer Ameisenhaufen vorkommt. So viele verschiedene Gruppen, eine große Zahl von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, ein großer Kirchenvorstand mit zahlreichen Ausschüssen, die verschiedenen Dörfer, die zum Gemeindegebiet gehören: da habe ich doch ein wenig Zeit gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, meinen Platz bei Ihnen gefunden zu haben. Gab es Situationen, die Sie überrascht haben? Die größten Überraschungen haben mir tatsächlich die Begegnungen mit den Vikarskolleginnen und –kollegen aus der mecklenburgischen und pommerschen Kirche bereitet, die ich während gemeinsamer Kurswochen in den Predigerseminaren in Ratzeburg und Ludwigslust kennengelernt habe. Ich hatten den Eindruck, dass die Pastorinnen und Pastoren dort noch mehr als hier in Nordelbien ‚Mädchen für alles’ sind, was in der Gemeinde anfällt: Sie mähen den Rasen um das Gemeindehaus, leiten den Chor oder werden zu Experten in Baufragen, wenn die Kirche renoviert werden muss. Was ist Ihnen schwer gefallen? Ich plane meine Arbeit und meine Zeit gerne. Das ist nicht immer möglich, weil man häufig schnell auf neue Situationen reagieren muss, egal, ob sie gerade in den Plan passen oder nicht. ‚Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen’, so hat es John Lennon einmal gesagt. Ich bin gerade dabei, das zu lernen. Fühlen Sie sich gut ausgebildet? Als Vikarin erhalte ich gerade eine zweiteilige Ausbildung: Zum einen lerne ich in der Gemeinde, indem ich pastorale Aufgaben übernehme. Dabei werde ich begleitet von meinem Anleiter, Pastor Rahlmeier. Zum anderen wird die Zeit in der Gemeinde immer wieder unterbrochen von Kurswochen im Predigerseminar, in denen ich die Praxis reflektieren kann. Ich halte dieses Ineinander von Theorie und Praxis insgesamt für einen sehr sinnvollen Weg zum Pastorinnensein und bin dankbar für die sorgfältige Ausbildung, die ich hier erhalte. Wie geht es für Sie ab September weiter? Ende August werden ich meinen letzten Gottesdienst als Vikarin in dieser Gemeinde haben. Im September geht es dann erst einmal los mit der Prüfungsphase, die bis Anfang Dezember dauert. Darauf folgt das kirchliche assessment center. Danach warte ich (wahrscheinlich recht ungeduldig) auf die Entscheidung des Kirchenamts, ob ich eine Stelle als Pastorin zur Anstellung bekommen werde. Die Zeit ab September wird also erst einmal ziemlich aufregend für mich. Liebe Frau Eddelbüttel, danke für das Gespräch, danke auch für die Zeit bei uns! Wir wünschen Ihnen Gottes Segen
Ina Koppelin
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