Liebe Leserin, lieber Leser,

Pastor Rainer RahlmeierWeihnachten. Das Foto auf dem Titel zeigt das Innere der geschmückten Maria-Magdalenen-Kirche. Links und rechts vom Altar die großen Bäume mit ihren Lichtern und ihrem Schmuck, von der Decke leuchtet der Stern. Auf dem Altar die Lichttreppe, deren Schein das Dunkle der Heiligen Nacht seit vielen Jahre erhellt und wärmt.
Baum, Stern und Kerze sind Zeichen. Sie gehören zu Weihnachten dazu. Ja, mehr noch: Mit ihrer Hilfe können wir sehen, was mit Weihnachten gemeint ist. Das Grün der Bäume ist ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens. Der Stern erinnert an die Geschichte der drei Weisen. Sie sind ihm gefolgt, bis er über dem Ort aufging, an dem Christus geboren wurde. Das Licht ist von alters her ein Christuszeichen. In dem es anderen leuchtet, verzehrt es sich selbst. Ich denke an das Wort eines Gottesdienstbesuchers. Die Christmette war zu Ende. Der Klang des letzten Liedes "O du fröhliche" lag noch in der Luft, die Glocken läuteten. Draußen war es sternenklar. Beim Abschied sagte er: "Jetzt ist für mich Weihnachten."
Ich habe diese kurze Szene nicht vergessen. Sein Wort ist mir nachgegangen. Wann und wie und wo wird Weihnachten?
Vielleicht sind es ja die kleinen Dinge, die uns das große Weihnachtswunder erschließen: die Bäume, der Stern und die Lichter. Es ist nicht leicht, dem Kleinen etwas zuzutrauen und darin Großes zu sehen. Wer von uns wäre auf die Idee gekommen, diese Welt ist durch die Geburt eines Kindes zu retten?
Wir sind darin geübt, für große Fragen große Lösungen zu entwerfen. Und große Fragen und große Probleme gibt es genug. Gott weiß es. Die politischen Debatten über den Staatshaushalt, über die Rentenreform und über die Höhe der Arbeitslosenzahlen zeigen das deutlich. Im Haushalt der Nordelbischen Kirche ist ein Defizit in Höhe von 5 Millionen Euro entstanden. Ich denke an Familien, für die das bevorstehende Weihnachtsfest Sorgen und seelischen Schmerz bedeutet, weil sie wissen: In diesem Jahr wird es nicht mehr so sein, wie es im letzten war.
Sind die Schultern des Christkindes für die Größe dieser Sorgen und Probleme nicht viel zu klein und zu zart? Und doch: Weihnachten, die Menschwerdung Gottes, bedeutet: Diese Welt wird heil werden, Menschen werden in Frieden leben.
Weihnachten wird das Kleine groß. Bäume, Stern und Licht können uns helfen, die Spuren von Gottes Zärtlichkeit und Liebe zu sehen und ihnen zu trauen.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2003. Im Kleinen wie im Großen.
Ihr
Rainer Rahlmeier
|