Liebe Leserin, lieber Leser

 Daran kann ich mich noch sehr genau erinnern: Das kratzende Geräusch, wenn meine Großmutter nach getaner Arbeit mit dem Blumenpapier die Trittsteine abwischte. Mit immer der gleichen Handbewegung zog sie dann rund um das Grab zwei Reihen mit der Harke. Und zuletzt wurde die kleine Friedhofsharke in die Tanne gehängt, die das Grab meines Großvaters hinten begrenzte. Ich stand als Kind daneben und beobachtete dies gewohnte Ritual.
Jeden Freitag nach dem Mittagessen ging meine Großmutter zum Friedhof, um Blumen auf das Grab ihres Mannes zu bringen. Wenn ich in den Ferien dort war, ging ich natürlich mit. Im Sommer nahm sie Blumen aus dem Garten mit, sonst kauften wir welche auf dem Weg zum Friedhof. Viele Jahre gehörte dieses Ritual zum Leben meiner Großmutter.
Für mich als Kind war es wie ein Besuch bei meinen Opa. Ich hatte keine bewusste Erinnerung an ihn, war ich doch erst drei Jahre alt, als er starb. Aber ich kannte das vergrößerte Bild von ihm, das im Wohnzimmer hing, die Geschichten, die von ihm erzählt wurden, und ich kannte sein Grab. "Der Herr hat gerufen" - das steht auf seinem Grabstein. So war mir klar: mein Opa war in der anderen Welt bei Gott, aber er war auch Teil des Lebens meiner Großmutter, nicht nur freitags, wenn sie mit mir vor diesem Grab stand.
Inzwischen sind Jahre vergangen. Aber ich bin mir sicher, diese Erfahrungen haben mir ein Bewusstsein geschenkt, dass ein Friedhof ein besonderer, ja heiliger Ort ist. Und so wirken sie bis heute.
Mit meinen Konfirmandengruppen gehe ich auch auf den Friedhof. Ich finde, dass zu diesem Unterricht an der Schwelle zum Erwachsensein auch das Thema Tod gehört. Was für Gräber gibt es? Was passiert bei einer Trauerfeier in der Kapelle? - darüber sprechen wir. Herr Behnert führt uns über "seinen Friedhof". Wir sprechen über die Erfahrungen der Jugendlichen und wir lesen den 90. Psalm: "Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."
Manchen Jugendlichen ist anzumerken, dass diese Gespräche und dieser Ort ihnen Angst machen, für andere ist er mit traurigen Erfahrungen verbunden, die meisten finden es interessant, vielleicht sogar spannend, weil sie noch nie dort waren.
In Bad Bramstedt steht der Friedhof nach wie vor in kirchlicher Trägerschaft. Er ist Ort der Trauer, denn hinter jedem einzelnen Namen auf einem Grabstein verbirgt sich ein Mensch mit seiner besonderen Geschichte. Aber der Friedhof ist auch ein heilender Ort. Die Pflege eines Grabes, der Besuch auf dem Friedhof, hat für viele durchaus etwas Heilendes, indem sie ihren Verstorbenen einen Platz in ihrem Leben einräumen. Trauern heißt für sie, dass sie weder einfach versuchen zu vergessen, noch dass sie mit der Pflege des Grabes bei den Toten verharren.
Und natürlich verbinden wir mit dem Friedhof die Hoffnung auf die Auferstehung. Inzwischen ist unser Bad Bramstedter Friedhof "in die Jahre gekommen". Renovierungen und Instandsetzungen stehen immer wieder an - keine leichte Aufgabe in Zeiten knapper werdender Mittel. Wenn Sie sich einmal die beiden Begrenzungen an der Glückstädter Straße ansehen, wird es Ihnen auffallen. Eine Konstruktionszeichnung mit verwirrend kleinen Details sehen Sie heute auf diesem Gemeindebrief. Es ist ein ungewöhnliches Titelbild. Man muss schon sehr genau hinschauen. Herr Hans-Joachim Dörksen hat diese Zeichnung erstellt, es ist sein Entwurf eines neuen Tores für unseren Friedhof. Es soll am Eingang etwa auf der Höhe der Kapelle stehen.
Mit diesem Tor und der Restaurierung des historischen Zaunes leistet Herr Dörksen einen großen Beitrag zur Verschönerung unseres Friedhofes. Ein ehrenamtliches Engagement, wofür die Gemeinde sich herzlich bedankt. Aus dem Haushalt wären solche Verbesserungen leider nicht möglich, und wir danken auch allen, die sich mit einer Spende zum Material an der Erstellung beteiligen. Übrigens: Spender und Spenderinnen werden noch gesucht! In der Größe DIN A1 ist diese Zeichnung - zusammen mit anderen Bildern und Informationen - zur Zeit im Vorraum der Kirche zu betrachten. Bitte schauen Sie einmal dort vorbei!
Ihre
Petra Fenske
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