Liebe Leserin, lieber Leser,

 auf dem Titelbild ist die Maria-Magdalenen-Kirche aus einer ungewohnten Perspektive zu sehen. Was ist zu sehen? Licht scheint aus den Fenstern der Häuser. Kein Auto fährt. Ein Fahrrad lehnt an der Kirchmauer, dort, wo der Tannenbaum leuchtet. Niemand ist auf der Straße. Die Kirche wirkt so groß im Vergleich mit den anderen Häusern, deren Umrisse sich nur erahnen lassen. Die Beleuchtung macht die Ziegel rot. Auch die Kirchenfenster sind erleuchtet. Was man sonst nicht sieht: Da sind viele Maueranker. Sie geben dem Turm Festigkeit, wenn die Glocken läuten. Und dann stehen da zwei Jahreszahlen: 1316 und 1843. Der Helm des Turmes verschwindet in der Schwärze der Nacht. Der Himmel ist dunkel, macht die Konturen unsichtbar. Der Blick auf die Kirche bei Nacht und Dunkelheit weckt unterschiedliche Gefühle und Empfindungen. So geht es vielen mit dem Weihnachtsfest. Für die einen ist Weihnachten das Fest der Freude. Dieses Leben ist schön. Wir sind von Gott beschenkt und dürfen Kinder sein. Das Leben hat einen Sinn, den wir uns nicht selbst herzustellen brauchen. Das Licht, das aus den Fenstern der Kirche scheint, leuchtet warm und freundlich. In der Kirche sind Menschen, die beten und singen. Wenn die Glocken des Zimbelsterns erklingen und die Gemeinde singt: "Freue, freue dich, o Christenheit!" dann ist das ein kostbarer Augenblick. Die Dunkelheit und Schwärze des Bildes erinnern jedoch daran, dass die Welt nicht heil ist. So viel ist falsch, ungerecht und jeder Tag kann so schwer sein! Manche sagen: "Wir können doch nicht so tun, als ob alles in Ordnung ist. Man kann Weihnachten doch nicht spielen!" Wir leben und bleiben in dieser Spannung. Da ist die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart, Heil und Leben und gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der Krieg, Kälte und Konkurrenz mächtig sind. Christen singen und beten. Sie danken Gott dafür, dass diese Welt nicht gottlos geblieben ist. Ist das nicht zum Staunen: Gott kommt in unsere Welt. Er nimmt unsere Gestalt an. Gott macht sich klein, bedürftig und wunderbar. Ich kenne keine andere Geschichte, die Menschen so anrührt wie die Erzählung von Jesu Geburt. Ich kenne keine andere Geschichte, in der die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit so leuchtet wie in der Weihnachtsgeschichte.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gutes, neues Jahr 2004.
Rainer Rahlmeier
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