Liebe Leserin, lieber Leser,

 "Bist du aber groß geworden!" - Wie wohl jedes Kind hörte auch ich diesen Satz von Bekannten meiner Eltern. Daraus klang Überraschung und auch ein wenig Erschrecken der Erwachsenen. Ich selbst, vor ihnen stehend, den Kopf etwas in den Nacken gelegt, um ihnen ins Gesicht zu sehen, fand mich natürlich ganz normal groß. Eher fand ich mich noch zu klein, wenn ich mich mit den Kindern meiner Klasse verglich. Heute höre ich den Satz manchmal in Bezug auf meine Kinder. "Ach, das ist Ihre Tochter? Ich erinnere mich noch daran, wie Sie sie im Kinderwagen durch die Stadt schoben!" Auch ich selbst ertappe mich oft bei diesem Gedanken, wenn ich Kinder oder Jugendliche nach einiger Zeit wieder sehe. Ein ähnliches Gefühl umfängt mich, wenn ich den kleinen Kinderschuh meiner Kinder in die Hand nehme und ihn betrachte: Größe 19… Und es tauchen Bilder von den ersten Schritten in diesen Schuhen auf. Ich erinnere mich an die Freude, als sie das erste Mal allein auf ihren wackligen Beinen standen. Die abgeschürften Spitzen zeugen von Stürzen, wenn die Kinder zu schnell waren. Vielleicht schleiften sie auch mit ihren Schuhen über den Hof beim Bobby-Car fahren. Viele Eltern bewahren die ersten Schuhe ihrer Kinder auf, weil sie ganz besondere Momente damit verbinden.
"Bist du aber groß geworden" - Mit ähnlichen Gedanken werden viele Eltern, Großeltern und Verwandte auch in diesem Jahr mit ihren Kindern Konfirmation feiern. Neben Stolz steckt ein wenig Wehmut hinter diesem Satz. Kinderschuhe passen diesen Jugendlichen schon lange nicht mehr. Konfirmation ist ein Übergang. Die Zeit der Kindheit neigt sich dem Ende zu, die Zeit, in der Eltern ihre Kinder begleiten und den Weg weisen. Die Jugendlichen wollen und müssen immer mehr Verantwortung für ihre Schritte tragen. Das ist nicht immer ein einfacher Prozess, für beide Seiten.
Dass mit der Konfirmation das Erwachsenenleben beginnt, wurde früher oft daran offensichtlich, dass schon kurz danach für viele das Berufsleben anfing: Jungen gingen in die Lehre. Sie zogen zu Hause aus und andere Männer, zum Beispiel Lehrherren und Gesellen, nahmen teilweise die Rolle des Vaters an. Sie wiesen die Jungen in ihre Aufgaben ein. Viele Mädchen gingen in Stellung. So sollten sie auf ihr Leben als erwachsene Frau vorbereitet werden. Fast 150 Jugendliche werden an den zwei Sonntagen nach Ostern in unserer Kirche konfirmiert. Ihre Namen finden Sie in diesem Gemeindebrief. Konfirmandenunterricht ist für die meisten eine wichtige Zeit. Über fast zwei Jahre gibt es engen Kontakt zur Gemeinde: in Gottesdiensten, im Unterricht und auf den zwei Freizeiten. Vieles ist dabei Neuland: z.B. Geschichten aus der Bibel, ein gemeinsames Gebet am Tisch, eine Andacht, in der man in Ruhe bei Kerzenlicht zusammensitzt und singt. Dass so manches aus der Konfirmandenzeit in Erinnerung bleibt, höre ich bei verschiedenen Gelegenheiten. "Dies Lied kenne ich noch aus dem Konfirmandenunterricht", sagen Eltern beim Taufgespräch. Andere erzählen Geschichten, die mit dem Satz beginnen: "Bei uns im Konfirmandenunterricht hat der Pastor immer…"
Im Psalm 31 können wir in der Bibel lesen: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum". Wohin ihre Lebenswege die Jugendlichen führen werden, ist offen. Für manche stehen schon bald wichtige Entscheidungen an: Finde ich eine Lehrstelle? Soll ich versuchen noch weiter auf die Schule zu gehen? Andere sind von diesen Fragen noch weit entfernt. In dem Psalmvers ist von Weite die Rede. Zur Konfirmation wünsche ich den Jugendlichen dieses Vertrauen, dass das Leben Gutes für sie bereithält. Die meisten werden erleben müssen, dass es nicht immer einfach ist im Leben. Doch mögen sie erfahren, dass hinter manchen verschlungenen und mühsamen Wegen sich neue und andere Perspektiven eröffnen.
Ihre / Eure
Petra Fenske
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