Liebe Leserin, lieber Leser

Björn Matthes das Bild und das Bibelwort „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ gehören zusammen. Ein Konfirmand hat sich das Wort ausgesucht und das Bild gemalt. Eine Krone für das ganze Leben. Schön!
Erinnern Sie sich an Ihren Spruch? Wenn nicht, dann machen Sie sich auf Entdeckungsreise in ihre eigene Geschichte! Suchen Sie Ihre Konfirmationsurkunde. Vielleicht kennen Sie Ihren Spruch aber auch aus-wendig. Ist es ein Spruch, der Sie in verschiedenen Situationen Ihres Lebens begleitet hat? Es ist faszinierend, wie man mit neuen Erfahrungen – guten wie schweren – neue Seiten an einem Spruch entdecken kann. Der altbekannte Spruch klingt dann plötzlich ganz anders. Der Spruch wächst mit dem eigenen Leben – oder das Leben mit dem Spruch? So geht es zumindest mir mit meinem Konfirmationsspruch: „Lasst alles bei Euch in Liebe geschehen“ (1. Kor 16,14). Was das heißt, das lerne ich immer wieder neu. Und Ihr Spruch? Überlegen sie mal: Wie haben Sie ihn früher verstanden? Wie verstehen Sie ihn heute? Manchmal sagt einem ein Spruch auch gar nichts. Aber auch das kann sich ändern. So ging es mir mit einem Spruch, den sich einer meiner Konfirmanden ausgesucht hatte, als ich noch Vikar war. Der Spruch war eine Ermahnung. Ich dachte: So ein Konfirmationsspruch, der soll doch Mut machen! Er soll Ausdruck dafür sein, dass wir im Glauben immer neu aufbrechen können, weil Gott an unserer Seite steht. Von dieser Zusage konnte ich in dem Spruch aber nichts entdecken. Ich redete mir den Mund fusselig – doch der Konfirmand blieb dabei. Den Spruch habe ich dann schnell vergessen. Nie hätte ich geahnt, dass er mir eines Tages wieder in den Sinn kommen könnte – und das war so:
Es war bei meinem ersten Probeeinsatz bei der Feuerwehr. Als Notfallseelsorger sollte ich kennen lernen, wie ein Einsatz abläuft. So wurde ich bei einem Container-brand alarmiert und sauste in Rekordgeschwindigkeit zur Feuerwache. Ich war so schnell, dass ich sicher war, der Erste zu sein. Ich war der Letzte. Die Einsatzwagen waren schon weg. Zum Glück sollte noch ein Fahrzeug nachkommen. Mit laufendem Motor stand es in der Feuerwache. Hektisch suchte ich meine Einsatzkleidung. In der Aufregung fand ich sie erst nach langem Hin und Her. Jetzt schnell in die Hose – doch das war komplizierter als erwartet. Ich vertüddelte mich hoffnungslos in den Hosenträgern. Nachdem diese Hürde genommen war, schnappte ich mir meine Jacke und rannte schweißgebadet zum Feuerwehrauto. Einer der beiden Kameraden, die in dem Wagen geduldig auf mich warteten, sah mich zweifelnd an. „Bist Du sicher, dass Du die richtige Jacke hast?“ fragte er. Und tatsächlich, auf der Jacke stand nicht „Seelsorge“ sondern „Einsatzleitung“. Zum Wechseln blieb keine Zeit. Mit einem energischen Schritt stieg ich in den Wagen, packte nach einem Griff - und stand Sekunden später mit dem Hörer des Funkgerätes in der Hand wieder vor dem Fahrzeug. War wohl doch kein Haltegriff... Endlich schaffte ich es, in den Wagen zu kommen. Schnell setzte ich mir noch den Feuerwehrhelm auf und wunderte mich, dass ich nichts sehen konnte! Neben mir hörte ich den Kameraden am Steuer trocken sagen: „Falschrum. Kann’s jetzt losgehen?“ Ich nickte und starrte auf den Nackenschutz des Helms, der mir die Sicht versperrte. Und da, plötzlich, wie aus heiterem Himmel schoss es mir durch den Kopf: „Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“ (1. Korinther 10,12). Der Spruch des Konfirmanden. Ja, dachte ich, das ist wohl wahr. Gott hat die Welt so gemacht, er wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Das tat gut. Danach traute ich mich, vorsichtig den Helm umzudrehen. Ich schielte zum Fahrer rüber und sah zu meiner Überraschung, dass er nicht finster drein guckte – sondern schmunzelte! Da musste ich auch lächeln.
Wie gut, dass es Konfirmationssprüche gibt!
Ihr/Euer
Björn Matthes
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