Liebe Leserin, lieber Leser

Martin Makowka ... was glauben Sie?
„Ich glaube, dass Jesus wirklich gelebt hat!“ sagte ein Konfirmand. Die Konfergruppe war gebeten, hinter die Wörter oder Zeilen unseres Glaubensbekenntnisses Ausrufezeichen oder Fragezeichen zu setzen. Viele Fragezeichen gab es hinter der längsten Zeile, die wir genau in der Mitte unseres Apostolischen Glaubensbekenntnisses finden:
„Am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ Wie ist dieser Satz zu verstehen? - Wie können wir uns das vorstellen?
Im Gespräch mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden sind uns zusammen einige Dinge klar geworden: Die Jünger müssen damals sehr traurig gewesen sein, als ihr Freund tot war. Von ihm hatten sie Entscheidendes für ihr Leben gelernt. Einige von ihnen hatten angefangen zu glauben, dass ihr Meister, Jesus von Nazareth, wirklich der Messias war und direkt von Gott kam, sosehr haben sie durch ihn die Menschlichkeit und Freundlichkeit Gottes erfahren und das Leben neu zu leben gelernt, Leben, wie es von Gott gemeint sein musste, von Anfang an.
Und dann wurde ihnen klar, dass es weder Jesu noch Gottes Wille sein konnte, dass nun plötzlich alles vorbei sein sollte. Vielmehr lag es an ihnen, genau da weiterzumachen, wo Jesus mit ihnen aufgehört hatte und genau das zu tun, was sie durch Jesus gelernt hatten. So wurde Jesu Lebensbotschaft mit neuem Leben erfüllt, „auferstand“ zu neuem Leben. Wofür Jesus gelebt hatte, lebte nun durch das wieder gefundene Vertrauen seiner Jünger weiter.
Das Ikonenbild „Christus und sein Freund“ (siehe Titelseite) führt uns die menschenfreundliche Nähe Gottes vor Augen: Liebevoll und ermutigend seine Hand auf meiner Schulter. Im anderen Arm hält er schützend die frohe Botschaft des Evangeliums: „Gottes Liebe gilt einem jeden Menschen!“ Das möchte ich gern glauben und darauf immer vertrauen.
Eine Konfirmandin setzte ihr Ausrufezeichen hinter das letzte Wort: „AMEN“! Das könnte heißen: „Ja!“ - „So soll es sein!“ - „So kann ich’s glauben!“ - Ein Exemplar der Ikone „Le Christ et son Ami“ befindet sich in der Versöhnungskirche in Taizé.
Mut gemacht, an die Auferstehung Jesu ganz neu zu glauben, haben mir diejenigen jugendlichen Gäste in Taizé, die nach dem gewaltsamen Tod des alten Priors in der Tagesschau zu sehen und zu hören waren: „Wofür frère Roger gelebt hat, darf nicht aufhören! Taizé muss bleiben, was es war!“
Mit den Jugendlichen bin ich der Meinung, dass wir uns durch die Tat eines einzelnen verwirrten Menschen, wie schrecklich diese auch gewesen sein mag und wie sehr uns dieser Tod frère Rogers erschüttert hat, nicht entmutigen lassen dürfen. Der „Pilgerweg des Vertrauens“, wie frère Roger ihn genannt hatte, darf nicht aufhören. Ich bin froh, dass frère Alois, den wir seit vielen Jahren durch unsere Taizé-Fahrten kennen, Nachfolger Bruder Rogers geworden ist. Denn auch durch Bruder Alois, der für mich ein großes Vorbild im Glauben ist, habe ich einmal als Jugendlicher in Taizé glauben gelernt.
Warum schreibe ich zu Erntedank über Ostern?
Wir feiern an jedem Sonntag, als dem ersten Tag der neuen Woche, miteinander Gottesdienst und sprechen im Glaubensbekenntnis miteinander die Worte: „Am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Wir tun das, weil wir versuchen wollen, danach zu leben, was wir von ihm gelernt und für unser Leben als wahr angenommen haben. Wenn uns das manchmal ein klein wenig gelingt, spüren wir die wohltuende Nähe Gottes besonders. Wie einen guten Freund - eine Hand auf unserer Schulter - der uns nicht im Stich lässt, was auch kommen mag. Gott sei Dank!
Ein frohes Erntedankfest!
Ihr / Euer
Martin Makowka
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