Liebe Leserin, lieber Leser,

Petra Fenske haben Sie eine Ahnung, wie viele Löwen in unserer Kirche Zuhause sind? Oder wo die Schlangen ihre Verstecke haben? In unserer Kirche gibt es viele Geheimnisse. Besonders gern gehe ich mit Schulklassen auf Entdeckungstour. Wir beginnen unsere Erkundung draußen, denn an den alten Steinen unterschiedlicher Größe, Farbe und Struktur, lässt sich Baugeschichte ablesen: Wo hat ein Anbau die Kirche vergrößert? Wieso sind hier Seitenein-gänge vermauert? Und ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Wände des Turms viel dünner sind als im Kirchenschiff, obwohl er doch viel höher ist? Bei solchen Beobachtungen wird ersichtlich, dass unsere Kirche im Laufe ihrer 700-jährigen Geschichte verändert wurde und gewachsen ist. Sind wir in die Kirche eingetreten, ziehen die Kinder vom Vorraum zu zweit in die Kirche ein: Wie ruhig es hier ist, die Autos sind kaum noch zu hören! „Hier ist es kalt, aber auch heilig“, so beschreiben manche Kinder ihren ersten Eindruck. In der Kirche tragen wir unser Wissen zusammen, zum Beispiel, wozu der Altar da ist, und warum sich die Pastorin eigentlich zum Beten von der Gemeinde wegdreht. Wir sprechen über die Kanzel und über die Frage, wozu Maria-Magdalena ihr Öl in der Dose hatte. Ein besonderer Schatz ist unsere Taufe, das älteste Stück der Kirche. Sie macht Taufgeschichte lebendig. Wie ein „großer Topf“ sieht sie aus. So groß musste sie auch sein, war es doch im Mittelalter übliche Taufpraxis, die Babys im Wasser ganz unterzutauchen. Erst später ging man dazu über, die Kinder mit Wasser zu begießen. Aus der Zeit stammt unsere aufgelegte Taufschale von 1646. So gibt es einiges zu erklären, aber noch viel mehr selbst zu entdecken: Löwen und Schlangen, viele Engel, ein Bild, das verkehrt herum aufgehängt ist, die Jakobsmuschel, Wappen und Zeichen. Immer wieder zeigen mir Kinder oder jugendliche Konfirmanden dabei etwas, was ich vorher so noch nicht gesehen hatte. Vor einigen Wochen überraschte mich eine Frage zum Epitaph von Christina Stedinges: Es ist ein großer Gedenkstein zur Erinnerung an ein Mädchen, das mit einem halben Jahr gestorben ist. In der Verzierung dieser Tafel sind drei große Löcher zu sehen. Und die Frage eines Konfirmanden: „Sind die Löcher für Fackeln?“ Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht, aber je öfter ich sie mir anschaue, desto mehr denke ich, dass er sicher Recht hat mit seiner Idee. Und wer schon in unserer Kirche bei Kerzenschein war, bekommt vielleicht eine Ahnung davon, wie dieser Stein wohl in diesem Licht gewirkt haben könnte.
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