|
Wenn wir hier in Bad Bramstedt am 30. September das Erntedankfest feiern, ist in Indien die Regenzeit noch nicht ganz beendet. Die Reissetzlinge sind gepflanzt, und so wird das Erntedankfest dort erst im Februar gefeiert. Das Erntedankfest spielt eine sehr große Rolle im Leben der indischen Christen, da es für viele nicht selbstverständlich ist, Nahrung in Fülle zu haben, so wie wir es hier gewohnt sind. Und so ist dieser Tag der Tag, Gott seine Dankbarkeit für eine gute Ernte auszudrücken. Die Familien tragen auf ihren Köpfen Körbe mit Reis-, Hirse- und Linsenkörnern und legen diese vor dem Altar ab, so dass sich die Körbe mit einem Gewicht von manchmal 20 kg in den unterschiedlichsten Größen dort stapeln. Aber die indischen Christen bringen nicht nur die Erntegaben, sondern auch Umschläge oder Tongefäße mit Geld. Viele sammeln jeden Monat 10 % ihres Gehalts in ei-nem Gefäß, und diejenigen, die ärmer sind, sammeln jeden Tag eine Rupie. Dieses Geld, sozusagen die Kirchensteuer, wird auch an diesem Tag zum Altar als Dank dargebracht. Die Körbe und die Umschläge oder Tongefäße mit dem Geld sind kennzeichnend für das Erntedankfest. Aber eigentlich feiern die Menschen in Indien jeden Sonntag ein kleines Erntedankfest: Jeden Sonntag bringen vor allem die Kinder ein Gefäß mit Reis zum Altar und schütten den Reis in einen großen Bottich. Diesen Reis sammeln die Familien täglich, indem sie eine Hand von ihrem Reisvorrat abnehmen und in das Gefäß tun. Es ist weniger schmerzlich täglich etwas von dem Reis abzugeben, als wenn dies mit einem Mal geschehen müsste. Oft werden auch die Erstlingsfrüchte, Ziegen, Hühner und Kleidung zum Altar gebracht, so dass es ein buntes Bild ergibt, vereint mit dem Blöken und Gackern der Tiere. Nach dem Gottesdienst versammeln sich alle vor der Kirche, weil dort das Gemüse versteigert wird. Der Reis wird günstig an die Armen verkauft oder an die Witwen verschenkt. Übrigens: Erntedankfest heißt auf Oriya: Dhonyobado-Porbo! Anna Chand
|