Liebe Leserin, lieber Leser,

Maren WassermannNoten sind das Verständigungsmittel für Musiker - in aller Welt. Selbstverständlich kann der Chorsatz auf dem Titelbild überall gesungen werden, wo diese Sprache bekannt ist. Also: wer musiziert, braucht Noten ? Nein! Wenn ich mit Kindern singe, erfassen sie eine Melodie unglaublich schnell und antworten im selben Moment. Dabei werden der Inhalt, der Rhythmus und die Tonhöhe genauso imitiert wie die Stimmung, in der ich vorsinge. Schriftliche Vorlagen dienen dann nur der Erinnerung. Sie werden also sicher meiner Erfahrung zustimmen: Musizieren kann man auch ohne Noten. Mein Vater hatte in den Jahren meiner Jugend oft ein minderwertiges Gefühl, weil er sein Schifferklavier ja nur „aus dem Kopf“ beherrschte. Dabei merke ich heute, was für ein Fundament im Herzen er mir durch seine Art, Musik zu machen gelegt hat.
Wir erfahren Musik mit allen Sinnen, mit der Seele, dem Geist und auch mit dem Körper. Die Wirkung kann dement- sprechend auch in allen eben genannten Bereichen spürbar sein. So fangen wir an zu tanzen oder zu weinen, wir fühlen uns mitgerissen oder getragen von einer bestimmten Musik. Der unmittelbare Zugang eines Klangs überwindet Grenzen oder Blockaden und wirkt heilsam auf das Befinden - ob wir nun aktiv Musik machen oder sie hören.
So möchte ich mit dem „Neuen Lied“ auf der Titelseite auf unseren Gospelchor aufmerksam machen. Ein Ziel dieser Gruppe ist es, Musik so unmittelbar wirken zu lassen, wie wir es von den afrikanischen Chören kennen. Oft genug denken wir, als Europäer hätten wir eben nicht die gleichen Ausdrucksmöglichkeiten. Wenn jedoch der Geist - ich könnte auch sagen die Botschaft - ankommt, dann springt der Funke über, und auch wir europäischen Nordlichter klatschen mit, swingen im Takt. Der Weg bis zum lockeren Singen ohne Noten ist weit, macht aber auch unmittelbar Spaß.
Wie kommt es zu dem Namen? Die Identifikation innerhalb einer Gruppe ist leichter, wenn man ausgiebig um einen Namen gerungen hat. Und wie bei einem guten Produkt (Beispiel: Meister Propper!) verrät der Name, was man als Konsument erwarten darf. Maria-Magdalena, die Namensgeberin unserer Kirche sollte - wenn auch abgekürzt -vorkommen, und das was die Gruppe verbindet, ist der Geist (spirit). So ist der Name Programm, wie es in der freien Wirtschaft oft heißt. Oder anders ausgedrückt : wenn wir uns trauen, dem Herrn neue Lieder zu singen, dann kann er auch Wunder tun.
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Psalm 100)
Ihre Maren Wassermann
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