Liebe Leserin, lieber Leser,

Foto: Karl AhlschwedeNatürlich ein Weihnachtsbild. Die großen Bereiche lassen sich sofort ausmachen. Auf der rechten Seite Maria mit dem Kind, links ein Engelsorchester. Das Auge braucht Zeit, um die Feinheiten zu erkennen. Maria ist draußen, da ist ein Garten, eine Mauer und weit entfernt auch ein Gebäude zu erkennen. Lichtstrahlen umhüllen Maria und das Kind. Dort, wo das Licht die größte Dichte hat, schweben Engel. Und dann, plötzlich, man wundert sich, stehen dort alltägliche Dinge wie ein Badezuber mit Handtuch und ein Nachttopf. Genau darüber ist wieder eine Lichtgestalt zu erkennen. Es ist Maria, die nach ihrem Tod zur Himmelskönigin gekrönt worden ist. Unter gotischem Baldachin musiziert ein wunderbares himmlisches Orchester. Am linken Rand ist eine seltsame Gestalt zu erkennen. Die Fachleute behaupten, diese Figur zeigt Mose, der von den Engelsklängen angerührt und verzaubert ist. Das Bild ist alt, wohl an die 500 Jahre. In Colmar im Elsass ist es im Museum Unterlinden zu sehen. Das Kloster der Isenheimer Antoniter hatte zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen Altar in Auftrag gegeben. Mathias Grünewald hat dieses Weihnachtsbild und andere gemalt. Der Altar ist von unschätzbar hohem Wert. Die Antoniter waren ein Pflegeorden. Man brachte Kranke ins Kloster in der Hoffnung, dass sie unter den Händen der Mönche und mit Gottes Hilfe wieder gesund werden würden. Die Kranken lagen in einem Saal, ausgerichtet auf dieses Altarbild, das sie von Weihnachten an sehen konnten. Ich deute dieses Verfahren als eine frühe Art der Palliativmedizin. Gegen das Leid ihrer Krankheit sollte dieses Bild Heilung bewirken. Weil Jesus geboren wird, feiern die Engel im Himmel ein Fest. Musik erklingt. Die Zeit ist erfüllt. Mose und Maria umspannen Vergangenheit und Zukunft. Krankheit und Leiden bestimmen sehr wohl das Leben der Menschen, aber manchmal braucht es einen Ausblick, der zeigt, wie das Leben wäre, wenn es heil ist. Menschen sollen an Leib und Seele heil werden. Diese Botschaft strahlt aus dem Weihnachtsbild des Isenheimer Altars. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent, eine fröhliche Weihnacht und ein gutes neues Jahr 2008. Ihr Rainer Rahlmeier
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