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FREITAGSGRUPPE
Eingestellt am: 22.03.2012

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2. Ökumenischer Kirchentag in München


Am Freitag, den 14 Mai fand in München ein Großereignis statt: Die Artoklasia, der orthodoxe Ritus des Brotbrechens

     10.000 Gäste wurden erwartet, 20.000 waren zum Odeonsplatz gekommen, um die Feier des Brotbrechens und des Brotteilens zu erleben. So saßen wir mit bis dahin uns fremden Menschen am Tisch. Manche kamen aus England, andere aus Frankreich, die Gastgeberin war aus Darmstadt, der Mann neben ihr aus Brandenburg, ein Ehepaar aus dem Westerwald und wir aus Schleswig-Holstein.
     Es gab Brot, Olivenöl, Äpfel und Wasser, einen völlig fremden Gottesdienstablauf und mittendrin diese wunderbaren Momente von Stille, Tiefe und Bedeutsamkeit, und es gab das andere auch, das Fremdeln, das manchmal angestrengte Bemühen um small talk.
     Was mich gewundert hat: Wenn so viele Menschen auf einem Platz sind, muss dann nicht von dieser Menschenmenge eine unwahrscheinliche Energie ausgehen?
     Manche kamen an diesem Freitagabend aus ihren Büros, schwatzten mit ihren Kollegen, hielten kurz inne und gingen dann unbeirrt weiter. Seltsam, ich habe niemanden gesehen, der fragte, niemanden, der sich dazu setzte und niemand hielt inne und änderte die Richtung seiner Schritte.
     Ich hatte zwei Empfindungen: einerseits Wehmut über die offenkundige Zunahme der Bedeutungslosigkeit selbst eindrucksvollen kirchlichen Handelns und zugleich eine freudige Ahnung: So kann Kirche sein! Wir kommen zusammen, teilen, was da ist, teilen uns mit, so gut es eben geht, und dann brechen wir wieder auf, gestärkt, berührt und bereichert, vielleicht auch verunsichert und manchmal quer zu anderen Menschen.


     Nein, es war kein „richtiges“ Abendmahl, jedenfalls nicht aus der Sicht der Amtskirchen. Noch darf es nicht sein und doch sind viele nach Hause gegangen, ich gehöre dazu, die von dem zehren, was sie genossen und erlebt haben.
     Zwei Stunden später war der Platz zurückgebaut, Tische und Bänke waren wieder verstaut. Die 20.000 waren weitergezogen. Das Verbindende an unserem Tisch war das Erlebnis, dass da zehn freundliche Menschen für die Dauer ei-nes langen Gottesdienstes zusammen saßen, die glaubten, dass Gott wirklich gegenwärtig ist, weil Gott wirklich bei den Menschen sein will.
     Ortswechsel: Zwei Wochen später war der Nordelbische Posaunentag in Angeln. 800 Menschen waren gekommen, um zu musizieren, sich zu treffen und Gottesdienste zu feiern. Wieder war es die gleiche Haltung von Leichtigkeit, Offenheit und Vertrautheit, in der Menschen sich begegnen und etwas erleben. Alle wussten, dass es der letzte nordelbische Posaunentag ist, zu dem nächsten wird in vier Jahren eingeladen werden, dann von der Nordkirche, dem Zusammenschluss der Kirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern – eine Ökumene anderer Art. Ich sehe, wie sich das Gesicht der Kirche oder besser: wie sich die Formen des Zusammenseins dauernd verändern. Was bleibt? Menschen suchen, was sie zum Leben brauchen – auf dem Odeonsplatz in München genauso wie auf dem Scheersberg in Angeln. Gott lässt sich dort finden.

Rainer Rahlmeier