
Am Freitag, den 14 Mai fand in München ein Großereignis statt: Die Artoklasia, der orthodoxe Ritus des Brotbrechens 10.000 Gäste wurden erwartet, 20.000 waren zum Odeonsplatz gekommen, um die Feier des Brotbrechens und des Brotteilens zu erleben. So saßen wir mit bis dahin uns fremden Menschen am Tisch. Manche kamen aus England, andere aus Frankreich, die Gastgeberin war aus Darmstadt, der Mann neben ihr aus Brandenburg, ein Ehepaar aus dem Westerwald und wir aus Schleswig-Holstein. Es gab Brot, Olivenöl, Äpfel und Wasser, einen völlig fremden Gottesdienstablauf und mittendrin diese wunderbaren Momente von Stille, Tiefe und Bedeutsamkeit, und es gab das andere auch, das Fremdeln, das manchmal angestrengte Bemühen um small talk. Was mich gewundert hat: Wenn so viele Menschen auf einem Platz sind, muss dann nicht von dieser Menschenmenge eine unwahrscheinliche Energie ausgehen? Manche kamen an diesem Freitagabend aus ihren Büros, schwatzten mit ihren Kollegen, hielten kurz inne und gingen dann unbeirrt weiter. Seltsam, ich habe niemanden gesehen, der fragte, niemanden, der sich dazu setzte und niemand hielt inne und änderte die Richtung seiner Schritte. Ich hatte zwei Empfindungen: einerseits Wehmut über die offenkundige Zunahme der Bedeutungslosigkeit selbst eindrucksvollen kirchlichen Handelns und zugleich eine freudige Ahnung: So kann Kirche sein! Wir kommen zusammen, teilen, was da ist, teilen uns mit, so gut es eben geht, und dann brechen wir wieder auf, gestärkt, berührt und bereichert, vielleicht auch verunsichert und manchmal quer zu anderen Menschen.
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