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Eingestellt am: 22.03.2012

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2004 Nr. 4

Gemeindebrief

Emporenbild: Anbetung der Weisen
Emporenbild: Anbetung der Weisen

Mitteilungen der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Bad Bramstedt

Dezember 2004 - März 2005


Liebe Leserin, lieber Leser,

Pastor Rainer Rahlmeier
Pastor Rainer Rahlmeier

    „Guck mal, da sind ja Dinosaurier!“ sagte ein Kind, als es die Tiere auf diesem Bild entdeckt hatte. Dinosaurier in der Maria-Magdalenen-Kirche, wo sind die denn?
    Das Foto auf der Titelseite zeigt die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, das fünfte Bild des Emporenzyklus. Und tatsächlich, die beiden Tiere am rechten Bildrand haben mehr Ähnlichkeit mit Dinosauriern als mit Kamelen. Ich vermute, dass der Maler, der dieses und die anderen Bilder um 1625 gemalt hat, Kamele aus eigener Anschauung gar nicht kannte.
    Drei Dreier-Gruppen bestimmen den Aufbau dieses Bildes. Auf der linken Seite sind Josef und Maria mit Jesus zu sehen. Der Strahlenkranz über Jesu Kopf zeigt an, dass in diesem Kind Gott gegenwärtig ist. Merkwürdig ist, dass die Mutter kein Kind auf ihrem Schoß hält, sondern einen kleinen, aber erwachsenen Mann.
    Die zweite Dreierformation bilden die Weisen selbst in der Bildmitte. Sie schauen auf Jesus, von dessen Gesicht das Licht auf diesem Bild ausgeht. Sie beten das Kind an, sie knien vor diesem König und jeder der Weisen hat seine eigene Haltung der Hände. Einer trägt eine Krone auf dem Kopf. Waren die Weisen nicht auch Könige?
    Der Künstler hat das nicht vergessen. Es heißt, dass die Weisen dem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe geschenkt haben. Diese Gaben sind Zeichen: Gold für sein Königtum, Weihrauch für seine Heiligkeit und Myrrhe für sein Leiden.
    Schließlich sind da noch der Diener mit den beiden Kamelen am rechten Bildrand. Wieder eine Dreiergruppe, auch sie blicken, Mensch und Kreaturen, auf den Jesus in der Bildmitte.
    Ein wichtiges Element der biblischen Geschichte fehlt jedoch auf unserem Bild: der Stern! Der Evangelist Matthäus berichtet, dass die Weisen, die Astronomen waren, einen Stern gesehen hatten, dem sie gefolgt waren.
    Eine Botschaft dieses Bildes lautet deshalb: Die, die den Gott der Bibel eigentlich nicht kennen, werden auf ihn aufmerksam und machen sich auf den Weg, um dieses Kind anzubeten und zu beschenken.
    Weihnachten wird es, wenn Menschen die Zeichen am Himmel und auf Erden sehen, deuten und sagen: „Da ist Gott.“ Die Weisen aus dem Morgenland waren Fremde, die nach Judäa gekommen waren, um die Einheimischen zu fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“
    Diese Botschaft ist ein wichtiger Impuls in der aktuellen Debatte um das Zusammenleben von Christen und Moslems in unserem Land. Wir sollten nicht meinen, dass die anderen etwas müssen: unsere Sprache lernen, auf das Grundgesetz vereidigt werden oder gar unsere Kultur als leitend anerkennen. Das ist ein Irrweg. Die Kirche hat erfahren, dass Mission nur dann sinnvoll ist, wenn Fremde den aufgehenden Stern dort entdecken, wo unser Handeln und unser Reden mit unseren Werten und Überzeugungen übereinstimmen.
    Weihnachten wird es, wenn der Weg von außen nach innen führt. Das ist die Art Gottes. Er wird Mensch und kommt in unsere Welt. Die fremden Weisen aus dem Morgenland kommen nach Judäa, um den neuen König anzubeten. Ein Kind sieht Dinosaurier und beschenkt uns so mit einer neuen, überraschenden Perspektive.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, neues Jahr

Ihr

Rainer Rahlmeier