Liebe Leserin, lieber Leser,

Rüdiger Dittmann „Wir sind die erste Generation, die durch ihre ethischen Entscheidungen bestimmen muss, ob sie zugleich auch die letzte sein wird.“ Eine schockierende Feststellung des Frie-densnobelpreisträgers Jonathan Granoff, der sich niemand entziehen kann. Jeder ist aufgefordert, sich der Verantwor-tung zu stellen angesichts der großen globalen Probleme der Verantwortung zu stellen. Kann es wirklich Gottes Wille sein, uns eine solche Verantwortung aufzubürden? Ich fürchte die Antwort lautet: Ja. Er gibt uns damit letztendlich auch die Chance, die Generation zu sein, die seine Schöpfung (vorerst) bewahrt hat. Wenn wir wollen, dass nach uns noch Menschen auf dieser Erde leben, ohne tägliche Existenzängste durch unvorstellbare Naturkatastrophen, dann hat Gott uns unübersehbare Zeichen geschickt, jetzt zu handeln. Wir Christen, die in den reichen, klimatisch begünstig-ten Ländern leben, haben eine ganz besondere Verantwortung zu tragen. Wir sind gefordert, Zeichen zu setzen und mit gutem Beispiel voran zu schreiten. Jeder einzelne von uns und wir als Kirchengemeinden müssen konsequent alles in unserer Macht stehende tun, um die Katastrophe abzuwenden. Nach dem G8 Desaster dürfte jedem bewusst geworden sein, dass Politiker uns nicht aus der Krise führen. Wir müssen auf unsere Stärke als christliche Gemeinschaft bauen und uns auf unsere Wurzeln besinnen. Wir sollten Jesu Rat befolgen: „Habt doch mehr Vertrauen“ (vgl. Matthäus 6,30). Vertrauen in Gottes Schöpfung und unsere Kraft, diese zu bewahren. Wir sind schließlich Teil dieser Schöpfung. Dass wir aber nur ein Teil dieser Schöpfung sind und ohne die anderen Teile nicht existieren können, haben wir lange Zeit verdrängt. Wir leben schon seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse. Der Tribut, den die Erde zahlt, steht in keinem Verhältnis mehr zu den Annehmlichkeiten, die wir uns leisten. Um es mit Jesus Worten zu sagen: „Könnt ihr denn nicht selbst erkennen, worauf es jetzt ankommt?“ (Lukas 12,57). Es ist allerhöchste Zeit, sich unserer christlichen Verantwortung zu stellen. Wir müssen uns bewusst machen, dass jede Tat Auswirkungen hat. Angefangen mit unserem Kaufverhalten, indem wir Dinge kaufen, die ökologisch unbedenklich und nachhaltig produziert wurden und nicht um die halbe Erde zu uns transportiert werden müssen, bis hin zu unserem Reiseverhalten. Ja, selbst unser Essverhalten hat massive Konsequenzen. Durch unseren hohen Fleischkonsum tragen wir zum Hunger und Durst in den ärmsten Ländern der Welt bei. 2006 hätte aufgrund der weltweiten Getreideernte für jeden Menschen pro Tag 652 Gramm Getreide zur Verfügung gestanden. Trotzdem mussten rund 850 Millionen Menschen Hunger leiden weil 49% dieser Ernte und 90% der Sojabohnenwelternte an 20 Milliarden „Nutztiere“ verfüttert wurde. Durch unser Konsumverhalten können wir Märkte lenken und verändern. Und wir können Zeichen setzen für die, die das gleiche Recht haben so zu leben wie wir. Wir müssen ihnen beweisen, dass Wohlstand sich auch auf andere, nachhaltigere Weise verwirklichen lässt. Und wir müssen ihnen die Chance geben, ihre Zukunft ohne Bevormundung selbst in die Hand zu nehmen, indem wir uns für einen sofortigen und bedingungslosen Schuldenerlass einsetzen und mit ihnen fairen Handel ohne Zölle und zu fairen Preisen betreiben. Wir müssen wieder lernen Gottes Geschenke anzunehmen. Er lässt die Sonne scheinen und schenkt uns jährlich 350 Millionen Milliarden Kilowattstunden Strahlungsenergie. Und das Beste: Er schickt uns keine Rechnung! Nehmen wir sein Geschenk dankbar an und nutzen es zum Wohl der gesamten Menschheit. Wie wäre es mit weit sichtbaren Zeichen? Zum Beispiel Sonnenkollektoren auf Kirchendächern und Rathäusern? Wir müssen Gesprächskreise auf kommunaler Ebene initiieren, um gemeinsame Wege zum Klimaschutz zu finden. Und wir müssen wieder lernen glücklich zu sein und dass Glück nichts zu tun hat mit Besitz und Geld, sondern mit Rückbesinnung auf unsere christlichen Werte. Vertrauen und Liebe in die Schöpfung und die Nächstenliebe sollten unsere Wegweiser in die Zukunft sein. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem Geld“ (Matthäus 6,24). Wir müssen uns also entscheiden. Wie wir uns entscheiden liegt bei uns; aber wir müssen es jetzt tun. Ihr Rüdiger Dittmann
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