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Eingestellt am: 22.03.2012

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Bericht Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion BSE / MKS und die Folgen


Bad Bramstedt. Der Umweltbeauftragte des Kirchenkreises Neumünster, Gerd Andresen, hat am vergangenen Freitag zu einer Podiumsdiskussion nach Bad Bramstedt eingeladen. Sieben Fachleute diskutierten unter der Moderation von Pastor Bernd Hofmann aus Bad Bramstedt auf dem Podium zu dem Thema: "BSE / MKS und die Folgen". "Wir sind schuld an Katastrophen...." Der Veterinär Dr. Steinhagen aus Neumünster eröffnete den Abend mit der Feststellung: "Rindfleisch gehört heute zu den am besten untersuchten Lebensmitteln". In seinen Erläuterungen stellte er dar, dass das Krankheitsbild BSE bei verschiedenen Tierarten und auch beim Menschen seit langem bekannt sei. Die explosionsartige Ausbreitung von BSE in Großbritannien führt er auf zwei Ursachen zurück. Zum einen wurde das Herstellungsverfahren für Tiermehl in der Weise verändert, dass die BSE-auslösenden Brionen nicht mehr vollständig abgetötet werden. Zum anderen breitete sich BSE durch die Verfütterung von - aus geschlachteten Rindern hergestelltem - Tiermehl wiederum an Rinder aus. In der Frage der Gefährdung für den Menschen blieb er allerdings uneindeutig. Steinhagen verglich zum einen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an BSE mit der "Chance, sechs Richtige im Lotto" zu haben, zum anderen sei heute aber nicht sicher, ob "in England hunderttausend Menschen an der neuen Form der Kreuzfeld-Jakob-Krankheit erkranken werden oder tausend". Abschließend stellte er in aller Deutlichkeit fest: "Wir ( die Menschen, d.V.) sind schuld an Katastrophen - wie BSE - die ohne die Menschen nie gekommen wären."
Im Gegensatz dazu stellt die MKS eine "typische Infektionskrankheit" dar. Allein die seit 1992 verbotene Impfung kann die Tiere vor der Maul- und Klauenseuche schützen.


links: Dr. Steinhagen, Veterinär; rechts: Herr Breiholz, Kreisbauernverbandsvors.

Das Verbot der Impfung bezeichnete Steinhagen als "absoluten Schwachsinn". Verbraucher tragen Mitschuld an Massenschlachtungen, insofern als sie einwandfreies Fleisch nicht kauften in der Hysteriephase.
Der Landwirt Hans Breiholz vom Kreisbauernverband wies auf die enormen Kostensteigerungen für die Bauern hin, die sowohl im BSE-Test als auch in den Kosten für die Vernichtung des Risikomaterials begründet liegen. Gleichzeitig sind die Fleischpreise um bis zu 50% gesunken. Provokant sprach Breiholz von einer "Mitschuld" der Verbraucher an den Massenschlachtungen durch die übertriebene Abkehr vom Rindfleisch.


v.l.: Dr. Arnd Heling, Dr. Frost, Pastor Bernd Hofmann

Dr. Hendrikson, Mitarbeiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt und selbst Öko-Bauer, schließt aus der BSE- und MKS-Krise, dass eine "grundlegende Neuorientierung" sowohl der Landwirtschaft als auch der Konsumgewohnheiten der Verbraucher notwendig sei. Die Verbraucher müssten sowohl die Höhe ihres Fleischkonsums verringern, als auch bereit sein, höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen. Bauern und Verbraucher müssen umdenken Als Vertreter der Tierschützer stellte Dr. Frost aus Felde heraus: "Solange wir so mit den Tieren umgehen, ist die nächste Seuche oder Krise voraussehbar." Als Christ betonte er, dass "jedes Eingreifen in die gottgewollte Natur Risiken in sich birgt." Die Kirche hat Jahrhunderte lang weitgehend zu ökologischen Fragen geschwiegen. Ausdrücklich begrüßte Dr. Frost daher die deutlichen Worte der Bischöfe zur BSE-Krise. Auf der Nordelbischen Synode im Februar hatte der scheidenen Bischof Kohlwage die Massenschlachtung von Rindern allein zur Preisstabilisierung sogar als "blanke Gotteslästerung" bezeichnet.
Dr. Arnd Heling, Referent im theologischen Dezernat der Nordelbischen Kirche, wünschte eine Abkehr von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die durch alle Medien gehenden "Bilder von den Scheiterhaufen" sind Ausdruck der gegenwärtigen Krise. Bei vielen Menschen ist durch diese Schreckensbilder ein Bewusstsein gewachsen, dass "es so nicht weitergeht.". In diesem Zusammenhang forderte Heling eine Umkehr von der "Verdinglichung der Mitgeschöpfe". Es gebe zwar "keinen himmlischen Tierfrieden auf Erden", aber der Respekt vor den Tieren fordere politische Konsequenzen.


v.l.: Gerd Oosting, Dr. Pöhle

Der Abend machte deutlich, dass eine notwendige Umorientierung in der Landwirtschaft nur durch verantwortliches, gemeinsames Handeln von Landwirten, Verbrauchern und Politikern erreicht werden kann. Gerhard Andresen hoffte, dass diese Veranstaltung zum gegenseitigen Verstehen beigetragen habe.
Bericht: Jörg Fenske -- Nordelbische Ev.-Luth. Kirche ( NEK ) Amt für Öffentlichkeitsdienst (AfÖ) Fedlbrunnenstraße 29, 20148 Hamburg Pastor Jörg Fenske, Internet-Beauftragter der NEK Tel. 04192 889123 Fax: 04192 889122 email: info@nordelbien.de
URL: http://www.nordelbien.de und http://www.kirche.de