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04.06.2010: Großreinemachen in 1832 Pfeifen

Die Orgel der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt wird generalüberholt

Bad Bramstedt. 1832 Pfeifen hat die Orgel der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt. Die meisten von ihnen sind zurzeit ausgebaut. Kurt Quathamer (46) aus Bordesholm reinigt jede mit Flaschenbürsten, die großen auch mit Toilettenbürsten. Die sichtbaren werden zudem auf Hochglanz poliert. Zuletzt war das imposante Musikinstrument in den 70er Jahren generalüberholt worden. Staub, Spinnweben und Motten haben sich seitdem darin angesammelt und müssen beseitigt werden. Außerdem bekommt die Orgel moderne Elektronik. Der Kirchenvorstand rechnet mit Kosten von rund 42000 Euro.


Volker Malessa übergibt im Namen des Fördervereins 'Kirchenmusik' den Scheck. v.l.: Volker Malessa, Ina Koppelin, Dr. Henny Schmitt, Maren Wassermann, Kurt Quathamer und Ulf Lauenroth. Foto: Einar Behn

Von Einar Behn

     Quathamer ist einer von rund 2500 Orgelbaumeistern in Deutschland, die es verstehen, den „Königinnen der Instrumente“ wieder zu Wohlklang zu verhelfen. „Die Ablagerungen in den Pfeifen haben dazu geführt, dass manche einfach nicht mehr so klingen, wie andere aus der gleichen Reihe“, hat Kirchenmusiker Ulf Lauenroth festgestellt. Außerdem sind die Registerzüge nicht mehr die besten. „Sie klappern zum Teil“, hat Lauenroth bemerkt, und das könne natürlich den Hörgenuss schmälern.

     Fünf bis sechs Wochen benötigt der Orgelbauer für seine Generalüberholung. Fein säuberlich nach Größen sortiert hat er die Pfeifen in Kästen einsortiert oder auf den Fußboden gelegt. Einige der aus einem Zinn-Blei-Gemisch hergestellten Klangerzeuger werden wohl auch ausgetauscht werden müssen. Ärger mit dem Denkmalschutz ist nicht zu erwarten. Die meisten Pfeifen wurden in den 1970er Jahren hergestellt. Alt ist nur noch der Holzrahmen und einige Verzierungen an der Orgel. Sie stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und bleiben unangetastet. Die Registerzüge werden mit einer sogenannten „elektrischen Setzeranlage“ ausgestattet. Lauenroth und seine Kollegin Maren Wassermann können dann per Knopfdruck das gewünschte Register hinzuschalten. „Klappern wird dann nichts mehr“, verspricht Quathamer, der noch von einem Mitarbeiter bei der Orgelrenovierung unterstützt wird. Der Baumeister selbst ist leidenschaftlicher Hobbymusiker, spielte Klavier und Saxofon schon, bevor er das Handwerk erlernte. Durch einen Prospekt in der Realschule sei er auf diesen Beruf aufmerksam geworden. „Musik und Werken waren ohnehin meine besten Fächer, da passte Orgelbauer gut.“ Bereut hat er die Berufsentscheidung nie. „Es ist jedes Mal wieder eine Herausforderung, weil jede Orgel anders ist“, sagt der Bordesholmer. Die Bad Bramstedter ist dabei noch eine der kleinen Kircheninstrumente. Die große Orgel der Hamburger Michaeliskirche beispielsweise hat zehn Mal so viele Pfeifen.

     Nicht ganz leicht fällt dem Kirchenvorstand die Investition in die Orgel. 42000 Euro sind in Zeiten sinkender Kirchensteuereinnahmen kein Pappenstil für die Gemeinde. „Es wurde aber Zeit. Üblicherweise sollen Orgeln alle 15 bis 20 Jahre gründlich gereinigt werden“, erklärte Lauenroth. Das Instrument in der Maria-Magdalenen-Kirche war zuletzt 1974 überholt worden. Der Förderverein Kirchenmusik Bad Bramstedt steuert 1500 Euro bei, Kirchenvorsteherin Ina Koppelin hofft auf weitere Spenden (Konto: 101265 bei der Sparkasse Südholstein, BLZ 23051030, Stichwort Orgelrenovierung). Auch soll es am Freitag, 9. Juli, ab 19 Uhr einen Konzertabend mit dem Titel „Musikina“ geben, bei dem Spenden gesammelt werden.

     Die Orgel wird in den nächsten Wochen nur eingeschränkt im Gottesdienst eingesetzt werden können. „Wir haben mit der Renovierung deshalb extra bis nach den Konfirmationen gewartet“, erklärte Ina Koppelin. Kirchenmusiker Lauenroth sieht darin aber kein Problem: „Es gibt ja noch den Posaunenchor, den Kirchenchor und wir können auch zur Gitarre singen.“